J & O  Motor Works GmbH   

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Besessenheit ist der Motor - Verbissenheit ist die Bremse  

COPPA D'EUROPA 2018

Coppa d’Europa 2018 aus Sicht des Reliant Scimitar 22. bis 25. März 2018
Auf die Anfrage von Dieter, ob ich mal einen Beitrag fürs FABAM Magazin schreiben würde, habe ich natürlich dankend zugesagt. Jedoch liegt mir das Schreiben nicht so, da verbringe ich meine Zeit doch lieber mit öligen Fingern und bin irgend etwas am Schrauben. 

Also lasse ich doch mein Reliant Scimitar von seiner Teilnahme an der Oldtimerrallye Coppa d’ Europa 2018 erzählen: 

Das Gute an einer solchen Rallyeteilnahme ist, dass ich schon einige Zeit vorher präpariert und gepflegt werde. Die Rallye ist allerdings schon sehr früh im April, deshalb sind keine großen Testfahrten möglich. Mein Besitzer weigert sich mich auf salznassen Straßen zu bewegen. (Das war früher noch ganz anders, als er mich als sein erstes Auto besaß.) Da sind wir immer den Winter durchgefahren und hatten Unmengen Spaß auf verschneiten Parkplätzen und Straßen.

Nun kriege ich alle Flüssigkeiten frisch spendiert, die Bremsen werden zerlegt, gereinigt und nachgestellt. Mein Fahrwerk wird abgeschmiert, Gummiteile kontrolliert, Zündung und Vergaser eingestellt, eine Wohltat, normalerweise muss ich immer erst rumzicken um so viel Aufmerksamkeit zu bekommen. Meine neuen Stoppuhren sehen richtig schick aus, die bekam mein Besitzer von seiner aufmerksamen Frau geschenkt, das sieht doch richtig nach Rallye aus! Ein Wegstrecken Zähler bekam ich auch spendiert, dafür musste allerdings mein Radio weichen, war ja eh kaum zu hören wenn ich mal aufdrehe. Am Vorabend der Abreise noch die letzten Checks, jeder Hohlraum wird mit irgendwelchen Ersatzteilen, Öl und Wundermittelchen voll gestopft, denken die ich sei so anfällig? Da hab ich doch schon ganz anderes geleistet ohne aufwändige Vorbereitung! Nun kommen auch noch Koffer, viel Papierkram, noch mehr Teile und Pannenhilfsmittel, ist doch alles nur Gewicht! Denkt doch auch mal an mich! Dafür kriege ich auch noch Benzin vom feinsten und natürlich leckere Additive für mein Wohlbefinden. So, die Reise geht los, mein Fahrer und seine Frau, die Navigatorin, quälen sich in meine engen Schalensitze, tut nur nicht so weich, da müsst ihr durch. 

Die Anreise nach Maastricht in Holland ist locker, viel Autobahn, die ich dank meines Overdrive ohne große Anstrengung meistere. Bei der Ankunft im Hotel dann das erste beschnuppern meiner Konkurrenten, die sehen ja zum Teil sehr Rallye-mäßig aus, Zusatzscheinwerfer, Rallyestreifen, Kotschutzlappen, da sehe ich ja richtig bieder aus, da sollte mein Besitzer mal investieren und nicht nur Ölen und Salben. Porsche, Porsche, Porsche, BMW, BMW, Mercedes, Porsche, gibt es hier auch noch andere Marken? Ach ja, dort drüben den schönen Jaguar aus der Schweiz, den kenne ich, wenigstens einen. Auch noch ein paar schöne alte Volvo und Saab, zum Glück, dachte schon, ich gehöre zu den ältesten hier. Kaum Parkiert und ein wenig abgekühlt, kommt meine Besatzung zurück, nun kriege ich doch noch ein Paar Aufkleber, Rallyenummer und Rallyeschild, da fühle ich mich schon besser. Nun noch die erste Testfahrt zum Eichen meines Timers der ja eh stimmt, ist wohl eher ein Test für die Besatzung um ihr Gewissen zu beruhigen. Überall auf den Straßen treffen wir auf  Rallyefahrzeuge röhren, fauchen, quietschende Reifen, tolle Stimmung hier! Alle versuchen die vorgegebene Strecke nach Chinesen-Zeichen zu fahren, jeder hat natürlich recht, kommen aber alle aus einer anderen Richtung, zum Glück ist das erst ein Test! 

Donnerstag Morgen 8 Uhr, es geht los: 
Nach einer spannenden Nacht in der Tiefgarage mit all den andern Rallyeautos wurden viel gequatscht, angegeben und Geschichten erfunden, scheinen alle tolle Racer zu sein! Es ist nasskalt da draußen, Schneefall, schlechte Straßenverhältnisse, muss das sein? Also gut, zügig fahren damit ich warm bekomme, es ist neblig, kaum was zu sehen, aber dass da keine anderen Rallyefahrzeuge mehr sind habe ich schon lang bemerkt, und dass ich ständig wenden muss steht doch sicher auch nicht im Roadbook? Diverse Zwischenhalte und Besprechungen meines Teams, alles hilft nichts, wir sind irgendwo da draußen verloren! Wir schaffen es zum Mittagessen auf den Nürburgring, darauf hatte ich mich schon gefreut, vielleicht kann ich ja eine Runde auf dem GP-Kurs drehen. Aber weit gefehlt, da ist ja gar keiner mehr, die haben ja nicht mal die erste Etappe geschafft, das kann ja noch heiter werden. Von da an fahren wir relativ locker über Schnellstraßen und die Autobahn direkt zum Hotel. Wieder in die warme Tiefgarage, alle sind schon da, haben sich viel zu erzählen, was soll ich bloß sagen?? Hoffentlich fragt mich keiner wie es bei uns lief. 

Freitagmorgen 8 Uhr, geht es weiter: 
Meine Besatzung scheint wie ausgewechselt. Wir finden Kontrollpunkte, sammeln Zeichen auf und sind auch
immer mit anderen Rallyefahrzeugen unterwegs, so macht das schon viel mehr Spaß! Abgelegene kurvige Straßen, dafür bin ich doch geschaffen, endlich mal die Muskeln spielen lassen, Unebenheiten ausbügeln, abbremsen, einlenken, raus beschleunigen, Feedback meinem Fahrer melden damit er nicht übermütig wird. Mein modifizierter Motor, die große Bremsanlage, das spezielle Fahrwerk, hier kann ich alles mal richtig auskosten, nicht wie zu Hause, wo ich immer gleich wieder eingebremst werde. Das ist richtiges Autofahren! Natürlich schlucke ich dabei auch richtig, bin ja nur froh, dass die keine Zeit haben meinen Verbrauch nachzurechnen.

Samstag Morgen 8 Uhr letzte Etappe: 
Schönes kühles Wetter, viel Sauerstoff in der Luft, das mag ich. Mein Vergaser verschlingt Luft und Benzin, mein Triebwerk wandelt alles in Vortrieb um, ja gut, ein Großteil auch in Wärme. Aber dafür hab ich ja auch einen Ölkühler, und dieses neuartige wasserlose Kühlmittel, das keinen Überdruck erzeugt, ist super! Meine Reifen ringen um Halt, die Straßenverhältnisse werden immer schlechter, da liegt ein Gemisch aus Schnee und Streusplitt auf der Straße. Die Räder drehen durch und mein Bauch erhält ein aggressives Peeling! Doch mein Fahrer hält zurück, er mag es irgendwie nicht, dass mein Lack sandgestrahlt wird. Also schleichen wir so dahin! Ich bin schon total verdreckt von oben bis unten, dieses Sand Splitt-Gemisch bildet einen haftenden Belag auf meiner Mechanik und meiner Karosserie. Mir ist sauwohl, sehe aus wie ein richtiges Rallyefahrzeug! Nun bessern sich die Straßenverhältnisse und wir fliegen wieder über die Landstraßen bis zum Ziel im Hotel, irgendwo in Budweis.
Ich bin stolz, dass ich es ohne irgendeine Panne geschafft habe. Mein Motor hat nicht mal einen Liter Öl verbraucht, obwohl meine Drosselklappen oft und über länger Zeit bis zum Anschlag offen waren. O.k., ich habe rund 500 Liter Benzin verschlungen, aber ich habe ja auch was geleistet dafür! Nun freue ich mich auf ein Vollbad mit Salben und Schmieren und meine trockene Garage zuhause. 

Olivier Hofmann